Neujahrsmorgen

Viersen
Alles beim Alten im neuen Jahr?




Grau in grau und trist und feucht
Beginnt das neue Jahr.
Es wird, wie mich ernüchtert deucht,
Ganz, wie das alte war.

Nicht nur das Wetter ist gemeint:
Der Rest scheint auch geblieben.
Nichts Neues gibt es, wie es scheint.
Niemand vermag mehr wen zu lieben.

Der erste Blick ins Online-Wesen
Beschert mir Hass und Neid und Häme,
Alles so wie dagewesen,
Sodass ich mich für Fremde schäme.

Nicht eine Spur von Nettikette.
Keiner hat mehr noch Respekt.
Auch, wenn ich’s gern anders hätte,
Zählt nur der böswillige Effekt.

Nach Neujahr wird voraussichtlich
Weiter beschimpft, gehetzt, beleidigt.
Im Zweifel war’s nicht absichtlich
Und wird vielleicht sogar beseitigt.

Doch ist denn das die Umgangsform,
mit der wir leben wollen?
Wünschen wir uns eine Norm,
die alle achten sollen?

Wenn Meinungsfreiheit alles schützt,
Was es, weiß Gott, nicht wert ist,
Stellt sich die Frage, wem es nützt –
Falls es noch nicht zu spät ist.

Den Vorteil haben ja wohl die,
Die Geld damit verdienen,
Dass man normalerweise nie
Löscht, was irgendwo erschienen.

Löschen, sperren und verbannen,
Als Gesetz reglementiert,
Helfen vielleicht zu entspannen,
Was uns alle so frustiert.

Der Widerstand der Netzwerke
Ist dabei allerdings gewiss.
Erforderlich ist große Stärke,
Bis das Gesetz beschlossen ist.



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