Der neue Mitbewohner ist ein Sauger

Saugroboter Miele Scout RX1

Neuer Mitbewohner: Saugroboter Miele Scout RX1 - Foto: (c) www.miele.de

Rasch nach seinem Einzug wurde klar, dass er unbedingt einen Namen brauchte. Denn schon das oberflächliche Studium der mitgelieferten Beschreibung seiner imponierenden Fähigkeiten legte den Rückschluss nahe, dass sein Wesen von überaus menschlichen Zügen geprägt ist. Wir nennen ihn seitdem Lothar, denn seine eigentliche Typenbezeichnung „RX1“ klingt denn doch allzu technisch und wird ihm wirklich nicht gerecht.

Und heute Morgen trat er dann seinen Dienst an. Pünktlich um 9:15 Uhr verließ er, genau, wie im Timer eingestellt, die ihm zugewiesene Behausung unter der Treppe in die obere Etage und machte sich auf den Weg. Es versteht sich von selbst, dass ich um diese Zeit bereits wach war, richtiger: auf der Lauer lag, um ja nicht zu verpassen, wie er sich bei seinem ersten Durchgang so anstellte.

Lothar löste sich also von seiner Docking-Station und begann seine Kreise zu ziehen. Das tat er auf eine Weise, die mit „normaler“ Logik nichts zu tun hat, sondern der programmierten Systematik des neuen Mitbewohners folgte. Es mutete schon seltsam an, wie Lothar unter der Treppe hervorkroch und sich daran machte, das Wohnzimmer, die Küche und den angrenzenden Flurbereich abzusaugen und dabei recht kuriose Wege fuhr. Die gut zwei Zentimeter hohe Teppichkante meisterte er bravorös, blieb allerdings die Erklärung dafür schuldig, warum er zuerst bis in die Küche fuhr, um dann in den zuvor schon bearbeiteten Wohnbereich zurückzukehren. Schließlich blieb er dann stehen, piepte zweimal und ließ auf seinem Display die Meldung „F5“ aufleuchten.

Schnell war klar: Seine Bürsten waren verstopft und die Räder voller Katzenhaare und damit außerstande, zu tun, was sie sollten, nämlich rollen. Der Behälter für den aufgesaugten Schmutz war ebenfalls beinahe voll. Nach kurzem Boxenstopp setzte er seine Tätigkeit ohne zu murren fort. An den drei Zentimeter dicken Standbügeln der Freischwinger-Stühle in der Küche arbeitete sich Lothar regelrecht ab, befreite sich aber energisch aus einer zunächst ausweglos erscheinenden Lage, als es bereits so aussah, als würde er steckenbleiben.

Nach anderthalb Stunden hatte er seinen Ausgangspunkt fast schon wieder erreicht, als er sich die auf dem Boden liegenden Schnürsenkel der Turnschuhe unter der Garderobe um seine Seitenbürsten wickelte und wiederum nicht mehr als ein erbärmliches Piepsen zustande brachte.

Eigentlich sollte er nach getaner Arbeit von selbst in seinen Unterstand zurückfahren und sich an die Kontakte zum Aufladen des Akkus andocken. Das schaffte er nicht, weil er ja nicht „in einem Rutsch“ hatte durcharbeiten können, sondern jede Zwischenwartung als Neustart empfand und sich nicht mehr so recht an die Anfangsposition erinnern konnte. Aber einmal in der Nähe der Treppe abgesetzt und nach einem Druck auf die Fernbedienungstaste „BASE“, fand er tatsächlich wieder zurück nach Hause. Das ist besonders praktisch, weil sein Unterstand so gewählt ist, dass der von Hand gar nicht erreichbar ist – einerseits aus Platzgründen, aber in erster Linie hat Lothar selbstredend auch einen berechtigten Anspruch auf seine Privatsphäre.

Das neue Familienmitglied hat so viel Eindruck hinterlassen, dass es noch zwei weitere Durchgänge absolvieren musste. Keiner lief völlig ohne Schwierigkeiten ab, da in der Wohnung nun einmal überall Kabel herumliegen, an denen kleine Saugroboter nicht vorbeikommen, ohne mit ihnen spielen zu müssen, und auch Steckerleisten, Schuhe und andere Hindernisse immer neue Herausforderungen darstellen.

Ab jetzt soll Lothar jeden Morgen den Schmutz vom Fußboden saugen – eigentlich ohne Aufsicht. Das wird wohl nicht funktionieren. Aber statt der erhofften Zeitersparnis liefert Lothar doch immerhin spannende Unterhaltung.

 

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