Mein Kommentar: PR-Klamauk Marke Guttenberg

Fragwürdiger Familienausflug – Selbstinszenierung des Verteidigungsministers zu Guttenberg (CSU)

Schon als die Ministergattin Stephanie zu Guttenberg ausgerechnet bei RTL II als Expertin zur Jagd auf Sexualstraftäter im Web blies, regte sich Kritik. Denn sie lief Gefahr, dass sie bei diesem Sender nur als Pausenfüllung zwischen den Werbeblöcken dienen könnte und so geradewegs hineingeriet in die „Ruf – mich – an!“-Reklamespots.

Nun setzt das Ehepaar noch einen drauf. Der Verteidgungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) oder, um genau zu sein: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, reiste in Begleitung seiner Ehefrau zu einem vorweihnachtlichen Truppenbesuch nach Afghanistan, mitten hinein in das umkämpfte Kundus. Damit nicht genug: Auch der SAT1-Star-Moderator Johannes B. Kerner gehört mitsamt seiner Crew zum Begleittross. Auf ersten Fotos grinst dieser schon mit dem Verteidigungsminister auf einer Behelfsbühne um die Wette – vor der Kulisse deutscher Soldaten in Kampfuniformen und eines amerikanischen Blackhawk-Rettungshubschraubers.

Für eine angemessene Hofberichterstattung sollte also gesorgt sein. Vorgeblich dient die Reise der Solidaritätsbekundung für die am Hindukusch stationierten Soldaten. Tatsächlich aber konzentriert sich alle Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die blaublütige Ministerfamilie.

Das dürfte auch so gewollt sein. Denn anscheinend ist dem CSU-Minister inzwischen so gut wie jedes Mittel recht, um sich in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Man kann nicht umhin zu vermuten, dass er sich nachdrücklich in Position bringt, um in absehbarer Zukunft zum Kanzlerkandiaten der Union gekürt zu werden. Mit seinen anhaltend hohen Beliebtheitswerten lässt er alle anderen Politiker blass aussehen, nicht nur die der Opposition, sondern auch die aus dem eigenen Koalitionslager.

Mit der oftmals kritisierten «Veramerikanisierung» deutscher Wahlkämpfe hat das schon nichts mehr zu tun. So offensichtlich und abstoßend die Effektheischerei auch sein mag: sie wirkt. Zu Guttenbergs Zuspruch aus der Bevölkerung ist derzeit von allen anderen Politikern unerreicht. Und so wird es wohl kommen, wie es kommen muss: Der Weg zur nächsten Kanzlerschaft führt nur über zu Guttenberg.

Viele Wähler sehnen sich nach einem starken Führer, der weiß, wo es lang geht. Zu Guttenberg wirkt ebenso geradlinig wie glaubwürdig, gleichermaßen gebildet wie eloquent, kann sich aber auch in der Sprache «des kleinen Mannes» ausdrücken. Allesamt Eigenschaften, die ihn an die Spitze der Beliebtheitsskala unter den Politikern führten. Nimmt man noch die absonderliche Lust vieler Deutscher an allem Adeligen hinzu, spricht wirklich alles für ihn.

Während man froh sein kann, dass zu Guttenberg wenigstens seine Kinder nicht mit in das Kriegsgebiet geschleppt hat, ist zu befürchten, dass bald das Können und die Skrupel- und Tabulosigkeit der jeweiligen PR-Fachleute über die Auswahl politischen Führungspersonals entscheiden, dass wir demnächst von einem Bundeskanzler regiert werden, der sich vor allem durch Polit-Klaumauk-Inszenierungen gegen seine Konkurrenten durchgesetzt hat.

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