Anleitung zum Dichten – Lektion 1

Anleitung zum Dichten – Lektion 1

Haftungsausschluss: Diese „Anleitung zum Dichten“ ist nicht für Installateure gedacht und darf nicht als Arbeitsanweisung für das Abdichten von Gasleitungen verwendet werden.

So manche Geschichte von ganz erheblichem Gewicht
ist bestens geeignet als selbst gedichtetes Gedicht.
Der Dichter überlegt sich zuerst ganz genau
einen möglichst durchdachten Versuchsaufbau.

Es gibt viele Arten der Poesie,
mal mit und mal ohne Symmetrie,
mit Ernst oder doch eher mit Ironie,
gebraucht wird auf jeden Fall viel Harmonie.

Wir beschränken uns hier auf gereimte Gedichte –
den and’ren gehört eine neue Geschichte.
Und die muss jetzt erst noch in Ruhe reifen,
alles andere hieße doch abzuschweifen.

Da wäre zum Beispiel die Frage der Reimform,
gewissermaßen der Aufbau der Strophe.
Leider fehlt dafür die passende DIN-Norm –
so manchem gilt das schon als Katastrophe.

Der Poet sammelt Wörter und schüttelt sie heftig,
rührt in dem Wortbrei, erst langsam, dann kräftig,
sortiert sie dann neu, setzt sie hintereinander,
erstellt einen Satz, ja, so was kann der.
Wenn schließlich am Ende ein Verslein entsteht,
wird’s mit letzter Kraft zum Gedicht aufgebläht.

Sodann geht er online. Mit Copy und Paste
erzeugt er den Text, drückt die Enter-Taste.
Er verbessert noch einen Rechtschreibfehler,
sitzt anschließend stundenlang ununterbrochen
am Bildschirm mit Blick auf den Zugriffszähler.
So geht das mitunter gleich mehrere Wochen.

Wenn sich dann endlich ein Leser rührt,
der für ein Statement zu haben ist,
steht da, man sieht, wohin das Dichten führt,
meistens nur einfach: „Was für ein Mist!“

Er gibt deshalb noch längst nicht auf,
versucht auch weiterhin zu dichten,
setzt am liebsten noch eins drauf
und zeigt es diesen dummen Wichten.

Bald schon hat er hundert Texte,
die er nun als Buch verkauft.
Montag ist für ihn der Letzte,
dann wird erstmal abgetaucht.

Denn Arbeit muss jetzt nicht mehr sein,
inzwischen ist er stinkereich.
Verleger gehen aus und ein,
blockieren seinen Wohnbereich.

Na gut, das Ende ist geflunkert.
Es hat einfach mal Spaß gemacht.
So viel hat er doch nicht gebunkert.
Morgen ist Dienstbeginn um acht.

Gleich verschiedene Varianten
zeichnen diesen Text hier aus.
Wehe, wenn ihr Ignoranten
dieses Gedicht nicht obercool, astrein, geil, genial, spitze, super, toll und einfach wunderbar findet!

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