Und der Planet dreht sich weiter

Und der Planet dreht sich weiterReichstag in Berlin - Foto: pixabay.com

So, das war’s also. Die Groß-Koalitionäre büßten massiv Wählerstimmen ein, die an FDP und AfD gingen. Die FDP ist wieder da – obwohl sie kaum jemand vermisst hatte. Die Rechtspopulisten wurden sogar drittstärkste Kraft und ziehen mit fast einer Hundertschaft in den neuen Bundestag ein. 

So sehr viele gerade darüber schockiert sind: Überraschend ist es nun wirklich nicht. Das Ergebnis entspricht vielmehr in etwa dem der Umfrage von Infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend aus dem Dezember vergangenen Jahres. Man wusste, was kommen würde.

Was nun? Deutschland hat gewählt

Was nun? Deutschland hat gewähltDas Reichstagsgebäude in Berlin beherbergt den Deutschen Bundestag

Bei OPEN-REPORT und 24PR sind gerade eben meine beiden Kommentare zum Wahlausgang erschienen.

Wen‘ interessiert:

Die tödliche Umarmung der schwarzen Krake CDU

Weg vom Fenster – die FDP läuft jetzt unter „Sonstige“.  Das haben die Blau-Gelben zum Teil selbst besorgt (Korruption in diversen Ausprägungen – s Hotelsteuer). Zudem holte sich die Union die 2008 verliehenen Stimmen zurück – allem peinlichen Brüderle-Geschwafel („Wer Merkel will, wählt FDP!“) zu Trotz.

Wer mit wem? Vielleicht ist nach der Wahl schon wieder vor der Wahl

Das WER ist entscheidend

Die SPD jubelt sich ihren völlig verunglückten Wahlslogan schön

Viersen (24PR-kpl). Diesen Wahlkampf hat die SPD von Anfang an gründlich verkorkst. Allem Jubelgesang auf dem Parteitag zum Trotz: Die Auswahl des Slogans „Das Wir entscheidet“ war wieder mal ein Beispiel dafür, liefert der Satz doch Steilvorlagen für Häme und Kritik der politischen Gegnerschaft. Westerwelle weist auf die Ähnlichkeit zu einer uralten SED-Propaganda hin, und eine Zeitarbeitsfirma hatte die gleiche Parole auch schon in Gebrauch. Eine Zeitarbeitsfirma!

Herrenwitz-Brüderle in der Sexismus-Falle

Eigentlich wollte Stern-Autorin Laura Himmelreich nur ein Portrait des gerade zum FDP-Spitzenkandidaten gekürten Rainer Brüderle vorlegen. Sie leitete es ein mit der Schilderung eines schon ein Jahr zurückliegenden Erlebnisses mit dem Politiker, der ihr damals zu mitternächtlicher Stunde an einer Hotelbar das unbeholfene Kompliment zuteil werden ließ, sie könne „ein Dirndl gut ausfüllen“. Selbstredend hatte der rheinland-pfälzische Silbendieb dabei das Dekolleté der jungen Journalistin im Sinn und, so darf man wohl unterstellen, ein angemessenes Maß alkoholisierender Getränke im Blut.

Niemand, zu allerletzt die Autorin, so sagt sie zumindest, hätte damit gerechnet, dass nun alle Welt auf den „Spitzenmann“, der seinen Sprachfehler dem staunenden Publikum gern als prägenden Bestandteil seines heimatlichen Dialektes unterschieben möchte (wobei das schlichte Unterschlagen und Vernuscheln von kompletten Silben keineswegs zu irgendeiner in Rheinland-Pfalz gepflegten Mundart gehört), eindreschen würde. Er selbst hat sich bisher weder für seine als sexistisch gebrandmarkten Äußerungen entschuldigt, noch ein Wort der Erklärung von sich gegeben. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kann ein Lied davon singen, was die Springer-Presse und andere aus einer solchen Vorlage zu konstruieren im Stande sind, bei ihm sollte er vielleicht einmal nachfragen, wenn er wissen will, wie schlimm das noch werden kann.

Dreister Postenklau: Die schwarz-gelbe Selbstbedienung

Minister von FDP, CDU und CSU versorgen die eigenen Parteifreunde rasch vor den Wahlen noch mit üppigen Pfründen.

Der «Spiegel» berichtet in seiner heutigen Ausgabe davon, wie Minister der Regierungskoalition ihre Parteifreunde noch rasch vor den Wahlen im neuen Jahr in lukrative Positionen hieven. Im von Philipp Rösler (FDP) geführten Wirtschaftsministerium rief das, so der «Spiegel», jetzt den Personalrat auf den Plan, der sich beim Minister massiv darüber beschwerte, dass etliche Beamte ihren Aufstieg nur dem Parteibuch verdanken, dass Externe mit geringerer Qualifikation den Vorzug vor Kandiaten erhalten, die zwar fachlich geeignet, aber nicht mit dem „richtigen“ Parteibuch ausgestattet sind.

Mit Peer Steinbrück wird das nichts mehr

Auch, wenn er nichts „Verbotenes“ getan hat: seine Chancen sind dahin.

SPD-Kanzlerkandiat Peer Steinbrück verdiente in den letzten Jahren mit eineinviertel Millionen Euro mehr als jeder andere Bundestagsabgeordnete durch Vorträge dazu. Na und? Auf den Plätzen zwei bis zehn der Raffgier-Hitliste folgen ausnahmslos Politiker von CDU, CSU und FDP, jener Regierungskoalition also, die lauthals nach mehr Transparenz verlangte.

Bekam sie auch, denn Steinbrück veröffentlichte auf den Cent genau seine Einnahmen. Was jedoch, um die Peinlichkeit auf die Spitze zu treiben, nicht etwa dazu führte, es ihm nachzutun. Nein, die Bundestagsabgeordneten von CDU, CSU und FPD verweigern sich nach wie vor der Offenlegung ihrer „Nebeneinkünfte“, eiern mit einer seichten Ausdehnung der vorhandenen Stufenregelung herum und lassen die Verweigerung der Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption demnächst ins zehnte Jahr gehen.

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