Herrenwitz-Brüderle in der Sexismus-Falle

Eigentlich wollte Stern-Autorin Laura Himmelreich nur ein Portrait des gerade zum FDP-Spitzenkandidaten gekürten Rainer Brüderle vorlegen. Sie leitete es ein mit der Schilderung eines schon ein Jahr zurückliegenden Erlebnisses mit dem Politiker, der ihr damals zu mitternächtlicher Stunde an einer Hotelbar das unbeholfene Kompliment zuteil werden ließ, sie könne „ein Dirndl gut ausfüllen“. Selbstredend hatte der rheinland-pfälzische Silbendieb dabei das Dekolleté der jungen Journalistin im Sinn und, so darf man wohl unterstellen, ein angemessenes Maß alkoholisierender Getränke im Blut.

Niemand, zu allerletzt die Autorin, so sagt sie zumindest, hätte damit gerechnet, dass nun alle Welt auf den „Spitzenmann“, der seinen Sprachfehler dem staunenden Publikum gern als prägenden Bestandteil seines heimatlichen Dialektes unterschieben möchte (wobei das schlichte Unterschlagen und Vernuscheln von kompletten Silben keineswegs zu irgendeiner in Rheinland-Pfalz gepflegten Mundart gehört), eindreschen würde. Er selbst hat sich bisher weder für seine als sexistisch gebrandmarkten Äußerungen entschuldigt, noch ein Wort der Erklärung von sich gegeben. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kann ein Lied davon singen, was die Springer-Presse und andere aus einer solchen Vorlage zu konstruieren im Stande sind, bei ihm sollte er vielleicht einmal nachfragen, wenn er wissen will, wie schlimm das noch werden kann.

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