Sind Sie sicher?

In jedem Fernsehkrimi wird irgendwann die überflüssigste aller Fragen gestellt

tatortSonntag ist Krimitag. Ob „Tatort“, „Polizeiruf 110“ oder was auch immer im Angebot der ARD ist, wird geguckt. Danach folgte gestern noch der letzte Wallander-Fall. Die Chancen stehen sonntags gut, nicht mit der X-ten Wiederholung abgespeist, sondern mit Erstsendungen verwöhnt zu werden. Mitunter kommt es zu Konflikten, denn im ZDF gab’s zum Beispiel gestern um 22:00 Uhr auch noch Inspektor Barnaby; der musste sich darum erstmal einen freien Platz auf dem Festplatten-Recorder suchen.

Ganz egal, wie unterschiedlich die einzelnen Formate angelegt sein mögen – eines haben Sie allesamt gemeinsam. Und zwar den Schlüsselsatz, die ultimative Frage aller Fragen, den Textschnipsel, der in jedem, wirklich in jedem Krimi mindestens einmal vorkommt. Im gestrigen Polizeiruf tauchte er schon nach fünf Minuten zum ersten Mal auf, bei Wallander dauerte es rund eine halbe Stunde. Aber er kam.

Darauf kann man sich verlassen, egal, ob ein Krimi in Deutschland produziert wurde, in den USA, in England oder in Skandinavien. Sogar die Österreicher produzieren Krimis (was sie besser lassen sollten, weil sie definitiv kein Talent dafür haben), und auch sie greifen auf den offensichtlich unverzichtbaren Satz zurück, die Frage aller Fragen: Sind Sie sicher?

Ein Zeuge zeigt in einer Fotokollektion auf ein Bild und behauptet: „Das ist er!“ Was folgt, ist auf jeden Fall unvermeidbar und in allen Krimis gleich. Der Kommissar fragt zurück: „Sind Sie sicher?“ Ein Verdächtiger gibt an, zur Tatzeit mit einem Kollegen beim Italiener Spaghetti gegessen zu haben. „Sind Sie sicher?“, meint irgendein Ermittler sich vergewissern zu müssen. „Den kenne ich nicht!“, „Die Waffe gehört mir nicht“ – es gibt unendlich viele Möglichkeiten, diese Frage im Drehbuch unterzubringen.

Und sie werden alle genutzt, rigoros und rücksichtslos. Es nervt! Wer hat was davon, einen Fernsehfilm um ein paar Sekunden in die Länge zu ziehen? Besitzt jemand einen Gebrauchsmusterschutz auf den Satz und kassiert jedesmal zwei Euro, wenn er verwendet wird? Herzlichen Glückwunsch, da kommt ganz schön was zusammen.

Niemand würde sie vermissen, diese dämliche Frage, sie ist zumeist sogar völlig unangebracht, passt regelmäßig gar nicht in die Situation. Wer glaubt denn schon wirklich, dass ein „Sind Sie sicher?“ zu einer Korrektur der Aussage führen würde. Darum sollte man sie verbieten. Und zwar ganz offiziell, bei Bedrohung der Drehbuchautoren mit hohen Strafen, etwa: eine Woche österreichische Krimis zwangsgucken. Die Frage ist ganz einfach völlig überflüssig.

Und bevor jemand fragt: JA, DA BIN ICH GANZ SICHER!

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