Wie stark sind Presseportale wirklich?

Wer eine Pressemitteilung in Umlauf brachte, verfolgte damit seit jeher einen ganz bestimmten Zweck: Möglichst viele Journalisten sollten den Text lesen und für wert befinden, daraus einen redaktionellen Beitrag für Zeitungen, Zeitschriften, Magazine oder sonstige Printmedien zu erstellen, mit sehr viel Glück und entsprechendem Nachrichtengehalt sogar im Hörfunk oder Fernsehen unterzubringen – und natürlich die Botschaft des Urhebers möglichst originalgetreu zu einem möglichst breiten Publikum transportieren. Das war und ist entschieden billiger als zum Beispiel die Schaltung kostspieliger Annoncen – und hat einen sehr viel höheren Marketing-Effekt, weil die Nachricht im redaktionellen Umfeld und nicht als Werbung erscheint.

In den letzten Jahren sprach sich dann in PR-Kreisen schnell herum, dass es außerdem ausgesprochen sinnvoll ist, auch die Verbreitung von Unternehmens- Verbands oder anderen Nachrichten über das Internet zu forcieren. Denn über das Web publizierte Pressemitteilungen werden nicht nur von Journalisten gelesen, sondern auch von den Personenkreisen, die es letztendlich zu erreichen gilt. Und die Einfügung von Verweisen zur eigenen Homepage innerhalb von im Web platzierten Pressemeldungen beschert entsprechende Backlinks, die die eigene Website aufwerten, und führt direkt Besucher dorthin. Mit jeder so abgesetzten Pressemitteilung werden also gleich mehrere Ziele erreicht.

Folgerichtig sind sogleich speziell dafür entwickelte Presseportale entstanden, die all diese Meldungen aus Werbe- und PR-Agenturen, aber zunehmend auch direkt von Unternehmen,  Verbänden, Parteien oder Vereinen einsammeln und im Internet veröffentlichen. Die Weiterverbreitung an Presse, Funk und Fernsehen erfolgt mitunter per Fax, zunehmend aber auch über regelmäßig an die beim jeweiligen Presseportal akkreditierten Journalisten versandte Emails. Das Ganze geschieht mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass eine Pressemitteilung oftmals schon Minuten nach ihrer Weitergabe an die Presseportale als neue Nachricht in den ‚Google News‘ auftaucht. Und damit ist auch schon der Grundstein für die weitere Online-Publizierung gelegt, über die Google-Websuche und andere Suchmaschinen bis hin zu Social Networks oder Micro Networks wie beispielsweise Twitter.

Die Nutzung der meisten dieser Presseportale, von denen es inzwischen sicherlich weit mehr als Hundert gibt, ist für die Absender in der Regel kostenlos. Lediglich Zusatzleistungen wie die Hilfestellung bei der Formulierung oder nachträgliche Änderungen werden oft in Rechnung gestellt, neben anderen „Premium-Leistungen“, worunter durchweg Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Pressearbeit zu verstehen sind wie etwa die Weiterverbreitung über zusätzliche Kanäle, auch unter Verwendung der Adressdatenbestände Dritter. Ansonsten finanzieren sich die Presseportale oft aus Werbeeinnahmen.

Wer einen geringen Obulus zu entrichten bereit ist, bedient sich inzwischen gern der Hilfe spezieller Online-Dienste wie z. B. pr-gateway.de, die eine einmal dort eingestellte Pressemitteilung umgehend an mehrere Dutzend unterschiedliche Presseportale weiterleiten, wobei der Herausgeber wählen kann, welche Portale seine Pressemeldung veröffentlichen sollen und welche nicht. Der Arbeitsaufwand ist also gering, die Streuung und damit die Chance, auch wirklich wahrgenommen zu werden, umso größer. Wer sich dazu nicht entschließen kann, muss seine Meldung direkt bei dem oder den ausgewählten Presseportalen einstellen, und das womöglich gleich mehrmals.

In beiden Fällen weiß der Autor eigentlich nicht, mit wem genau er da zusammenarbeitet. Und was nutzt es schließlich,  eine Unternehmensnachricht über Portale zu verbreiten, die vielleicht nur von zwanzig oder dreißig Internet-Usern pro Tag besucht werden. Die nachstehende Aufstellung beinhaltet eine Auflistung mit knapp 50 Presseportalen und deren täglicher Besucherfrequenz. Aber Achtung: Alle Zahlen sind nur hochgerechnet, basierend auf den von Alexa (www.alexa.com) ermittelten Werten. Und diese werden gewonnen aus dem Surfverhalten nur solcher User, die die Alexa-Toolbar innerhalb ihres Browsers installiert haben. Zu den absoluten Besucherzahlen kommt man, wenn man die eigenen Besucherzahlen in Relation zum eigenen Alexa-Wert bringt und dann aus dem Reach-Wert anderer Websites deren Visits errechnet. Im konkreten Fall: In den letzten 30 Tagen vor dem 8.12.2009 hatte unsere Presseportal fair-NEWS.de durchschnittlich 7.980 Visits pro Tag und einen Alexa-Reach-Wert von 0,0088. Die Reach-Werte der anderen aufgeführten Portale für denselben Zeitraum stehen ganz links; aus ihnen wurde dann mit einem einfachen Dreisatz deren Anzahl an Visits ermittelt.

Wie gesagt: Diese Rechnung kann nicht genau sein, sie stellt auch nur eine Momentaufnahme für den kurzen Zeitraum von einem Monat dar. Aber sie vermittelt einen Überblick darüber, welche Portale die meisten Besucher anziehen. Nach meiner bisherigen Beobachtung sind die Alexa-Zahlen ungeachtet aller Einschränkungen durchaus repräsentativ – sonst hätte ich mich der Mühe mit dem Sammeln nicht unterzogen. Und außerdem lässt sich die Aussagekraft zumindest in ihrer Tendenz überprüfen, wenn man die Gegenprobe über die Google Trends durchführt (z. B. http://trends.google.com/websites?q=fair-NEWS.de&geo=all&date=mtd&sort=0 für fair-NEWS.de). Dort werden allerdings nur ‚Unique Visitors‘ gezählt, weshalb die absoluten Zahlen für einen direkten Vergleich mit den hier ermittelten ‚Visits‘ nur bedingt taugen, sehr wohl aber die Verhältnisse untereinander zeigen. Vor allem dann, wenn man in das Datenfeld bei Google Trends mehrere, durch Komma getrennte Domainnamen eingibt, die dann direkt miteinander verglichen werden können.

Branchen-Primus im deutschsprachigen Raum ist, und das wusste ich eigentlich schon vorher, das 2004 gegründete Presseportal openpr.de mit rund 24.000 Visits pro Tag. Das sollte ungefähr hinkommen, denn die Visits werden auf der dortigen Homepage mit monatlich 650.000 angegeben, was sich ja nicht auf den hier konkret bewerteten Zeitraum (ein Monat vor dem 8.12.2009) beziehen muss. Die Zahlen von pr-inside.com scheinen mir eigentlich nicht mit den anderen Portalen vergleichbar, da dieses Portal international agiert und nicht nur deutschsprachig ist. Presseportale, von denen ich weiß, dass sie kostenpflichtig sind, sind nicht in der Hitliste enthalten – ebenso wie solche mit offenbar nur wenigen Besuchern (unter 200 pro Tag). Außerdem fehlen natürlich auch die, die ich womöglich nicht gefunden habe.

Eine erfreuliche Überraschung ist für mich, dass unser erst im Frühsommer 2008 online gegangenes Presseportal fair-NEWS.de schon einen hervorragenden 6. Platz erobert hat. Auch, wenn nicht alle Zahlen genau sein sollten: Klasse!

Alexa-Reach Position Presseportal Visits pro Tag
0,0264 1 openpr.de 23.940
0,0261 2 pr-inside.com 23.668
0,0152 3 online-artikel.de 13.784
0,0115 4 firmenpresse.de 10.428
0,0095 5 prcenter.de 8.615
0,0088 6 fair-NEWS.de 7.980
0,007 7 presseanzeiger.de 6.348
0,0062 8 pressemitteilung.ws 5.622
0,0059 9 presseecho.de 5.350
0,0058 10 offenes-presseportal.de 5.260
0,0055 11 dailynet.de 4.987
0,0053 12 news4press.com 4.806
0,005 13 newsmax.de 4.534
0,0049 14 businessportal24.com 4.443
0,0049 15 pressemeldungen.at 4.443
0,0048 16 onlinepresse.info 4.353
0,0042 17 pressmap.de 3.809
0,0033 18 premiumpresse.de 2.992
0,00272 19 inar.de 2.467
0,00214 20 pressbot.net 1.941
0,00201 21 news-eintrag.de 1.823
0,00197 22 pressnetwork.de 1.786
0,00166 23 pressezeiger.de 1.505
0,00145 24 presse-kostenlos.de 1.315
0,00126 25 pressehof.de 1.143
0,00126 26 schlaunews.de 1.143
0,00117 27 pressemitteilungen-online.de 1.061
0,00113 28 prtrend.de 1.025
0,00102 29 prport.de 925
0,00098 30 yourpr.de 889
0,00094 31 portalderwirtschaft.de 852
0,00088 32 pr-presse.de 798
0,00084 33 deutschepresse.de 762
0,00068 34 eulenspiegel-news.eu 617
0,00065 35 prmitteilung.de 589
0,00053 36 open-business-network.com 481
0,00051 37 freie-pressemitteilungen.de 462
0,00049 38 nupepa.de 444
0,00038 39 pressekat.de 345
0,00036 40 newspr.de 326
0,00036 41 pressemeldung.org 326
0,00035 42 userzeitung.de 317
0,00029 43 agentur-presse.de 263
0,00029 44 kostenlose-pr.eu 263
0,00029 45 pressenger.de 263
0,00027 46 pressemitteilung.be 245

9 Thoughts to “Wie stark sind Presseportale wirklich?”

  1. Also unsere Zahlen sind leider nicht korrekt, dabei sind diese ganz einfach auf unserer Seite zu finden unter dem Link Mediadaten. Im November hatten wir ziemlich genau 2500 Besucher im Schnitt pro Tag. Also wenn die Hochrechnung sich auf November bezieht ist die Hochrechnung nicht gut gelungen. Selbst der Schwächste Monat bei uns in diesem Jahr der August liegt noch 30% über der Schätzung in der Liste…

  2. Schöne Aufstellung, sehr interessant. Allerdings kann ich mir bei den genannten Zahlen die kleine Werbeeinblendung nicht verkneifen, dass unser Angebot http://www.presseportal.de im November 2009 pro Tag fast 91.000 Visits erzielte. Und das auch noch valide durch IVW geprüft. Aber natürlich gibt es diese Reichweite bei news aktuell nicht umsonst …

  3. @Jan Petersen: Wie im Haupttext beschrieben, befasst sich die Betrachtung nur mit den kostenfrei nutzbaren Presseportalen.

    presseportal.de hätte nach der verwendeten Methode während der letzten 30 Tage täglich ’nur‘ rund 25.000 Besucher (0.0274 Alexa-Reach) – aber auf jeden Fall Platz 1. Das passt in etwa zur Auswertung bei Google Trends. Die Zahlen dort werden aber meist deutlich niedriger angezeigt, als es den Tatsachen entspricht. presseportal.de ist schon wegen der ‚marktmächtigen‘ Mutter (dpa) im Vorteil, und wenn man dann noch an die unzähligen Polizei-Meldungen denkt… Aber eben nicht für Jedermann kostenlos nutzbar 🙂

    @Schlaunews: Die Aufstellung vergleicht ja alle Portale nach derselben Rechenmethode. Wenn daher die absoluten Zahlen auch nicht stimmen sollten, so kann man doch vermuten, dass die Größenverhältnisse (Alexa Reach) einigermaßen vertrauenswürdig sind. Google Trends zeigt in den von mir gecheckten Einzelfällen dieselben Tendenzen, liefert aber für Portale mit weniger Besuchern überhaupt keine Werte.

  4. Ob bei den anderen die Abweichung zu den reellen Zahlen ähnlich stark sind kann ich nicht beurteilen. Aber wie gesagt bei Schlaunews liegen die tatsächlichen Zahlen um über 120 % höher als die Schätzung von ihnen.

  5. Jessica

    Ein durchaus interessante Ansatz bzw. versuch um die Ranking sowie Qualität von PR-Portalen zu ermitteln, aber leider sehr ungenau was die Zahlen angeht! Zumindest bei Online-Artikel.de weiss ich, das die am Tag mehr als 35 000 Visits haben steht aber auch hier: http://www.online-artikel.de/media-daten.php

    Dennoch kann man in Zukunft drauf aufbauen 😉

    Gruss
    Jessica A.

  6. @Jessica: Tja, das ist wirklich nicht so einfach. online-artikel.de gibt die durchschnittliche Besucherzahl pro Monat mit 850.000 an, openpr.de hingegen benennt die seinen mit 650.000. Nun hat openpr.de bei Alexa einen nahezu doppelt so hohen Anteil wie online-artikel.de, und auch bei Google Trends wird der Unterschied recht deutlich dargestellt. Drum fällt es mir schwer, zu glauben, dass online-artikel.de erheblich mehr Besucher haben soll alls z. B. openpr.de.
    Eben weil die Eigenangaben sich mitunter nicht auf die Besucher beziehen, sondern manchmal Hits gezählt werden (oder was auch immer), hatte ich ja versucht, zu Vergleichswerten aus neutralen Quellen zu gelangen. Ich denke, die Aufstellung gibt in etwa vor allem die Besucherfrequenz-Reihenfolge einigermaßen glaubwürdig wider.

  7. Jessica

    Hallo Klaus,

    bei Openpr.de hätten Sie einfach auf IVW schauen sollen, weil das Portal dort aufgelistet ist. Und bei Online-Artikel.de hätte ich einfach per E-Mail Anfragt und um Screenshots vom Google Analytics gebeten, weil die unter Media Daten als Quelle Analytics angeben 😉

    So wie bei presseportal.de veröffentlicht auch PR-Inside.de Nachrichten von unterschiedlichen Nachrichtendiensten und ist deshalb falsch am Platz.

    PS. Zu Ihre Analyse hätten Sie unbedingt SEO-Faktoren wie z.B. PageRank, Domain-Pop etc. einfließen lassen sollen, was meine Meinung nach ein sehr wichtiges Kriterium ist.

    Wenn man alle diese Faktoren berücksichtigt, würde meine Liste wie folgt ausschauen:

    1. online-artikel.de
    2. openpr.de
    3. prcenter.de
    4. firmenpresse.de
    5. pr-inside.com

    Gründe dafür habe ich im ersten und in diesem Kommentar versucht kurz darzustellen.

  8. @Jessica: Mit Sicherheit stimmt diese Rangfolge (online-artikel vor openpr) nicht. Einfache Gegenprobe: Einfach mal Google Trends aufrufen (http://trends.google.com/websites?q=openpr.de%2Conline-artikel.de&geo=all&date=mtd&sort=0). Bei IVW ist openpr mit Gesamt-Visits von 803.000 (nur Inland: 698.000 – ich hatte 718.000 ermittelt) für November 2009 zu finden, online-artikel hingegen genauso wenig wie die übrigen (http://ausweisung.ivw-online.de/i.php?s=1&mz=200911&sall=1&sort=aname&angebote=1&netz=1&vgm=1&abc=15&svisits=1&svisitsiabs=1&svisitsipro=1&svisitsaabs=1&svisitsapro=1). compete.com zeigt für online-artikel.de om November 6.871 Visits – das gilt vermutlich im Durchschnitt pro Tag. Zusammen mit den Angaben aus Alexa deutet nichts auf ein Besuchervolumen in der von Ihnen genannten Größenordnung hin. Abweichungen zwischen unterschiedlichen Quellen erklären sich im übrigen schon allein durch verschiedene Zähl-Methoden (z. B. mal Zeitsperre, mal nicht).

    Bei der Auswertung habe ich natürlich nicht die einzelnen Portale abgefragt – denn ich hätte auf rund 50 Antworten warten müssen, die wohl nur zu einem kleinen Teil wirklich gekommen wären. Es sollte auch keine Arbeit über die SEO-Qualitäten sein, sondern einfach nur einmal aufzeigen, wie die Verhältnisse untereinander in etwa sind, was die Besucherzahlen angeht – und zwar unter Zuhilfenahme externer Quellen. Gerade die kleinen und mittleren Presseportale sind nicht Mitglied bei IWF, weshalb ich die am schnellsten greifbaren Alexa-Werte verwendet habe.

    Eine interessante Möglichkeit wäre noch ein Vergleich der Seitwert-Zahlen von http://www.seitwert.de, denn da fließen alle möglichen Werte mit ein, u. a. auch Social Bookmarks und Google Page Rank. Aber das war mit meiner Gegenüberstellung nicht beabsichtigt.

  9. Ich glaube das die angesprochenen Vergleichsmöglichkeiten alle nichts taugen im übrigen auch der Alexa Rank nicht und Google Trends sowieso nicht.

    Ich kann nur für Schlaunews.de sprechen und da ist der Wert deutlich höher als über Alexa und was auch immer ermittelt und bei so einer hohen Ungenauigkeit würde ich mal sagen, dass es bei den anderen Seiten auch nicht anders aussieht. Wenn da die Abweichung auch eine Bandbreite bis 120% haben, na dann kann man die Reihenfolge die hier in den Platzierungen gemacht wurde auch getrost in der Pfeife rauchen.

    Also von daher würde ich sagen, nett gedacht, aber leider unbrauchbar von der Aussagekraft her…!!!

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