Wer braucht schon ’ne Sommerpause?

Sommerpause

Sommerpause - nur gebrauchte Krimis - © Foto: Klaus P. Lewohn

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Mit zunehmendem Alter manifestieren sich immer mehr Macken, Schrullen und Marotten. Hat er einmal den Ruhestand erreicht, scheint er überhaupt ganz überwiegend aus diversen kapriziösen Eigenarten zu bestehen.

Ergänzt wird dieser offenbar unabwendbare Vorgang in vielen Fällen durch einen Hang zum Regelmäßigen. Auf wen das nicht zutrifft, der mag sich nicht angesprochen fühlen – bei mir ist es jedenfalls so. Unvorhersehbare Änderungen meines gewohnten Tagesablaufs erzeugen bei mir im günstigsten Fall Missstimmungen, können aber durchaus auch für Wutanfälle mit einem mitunter mich selbst erschreckenden Aggressionspotential verantwortlich sein. Meine Umgebung tut daher gut daran, mich von unangemeldeten Besuchen zu verschonen und getroffene Verabredungen, falls erforderlich, rechtzeitig mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf abzusagen, soll mein Zorn nicht die Oberhand gewinnen.

Dies vorausgeschickt, wird es vielleicht besser nachvollziehbar, was an einem sommerlichen Sonntagabend mit mir geschieht, wenn es zehn vor sieben wird – und die Lindenstraße nicht anfängt. Keine Ahnung, was die Fernsehmacher beim WDR sich dabei denken, derart massiv in meinen Ablauf einzugreifen, der nun immerhin schon im zweiunddreißigsten Jahr gleich ist. Und plötzlich kommt man auf die Idee, eine Sommerpause einlegen zu müssen.

Es ist ja nicht so, dass es sich um eine Live-Produktion handeln würde, und man den Darstellern mal ein paar Wochen Urlaub gönnen müsste. Nein. Die Folgen werden alle im Voraus produziert. Wozu also die Sommerpause?

Als Grund werden sinkende Zuschauerquoten angeführt, weil viele Menschen in Urlaub sind. So ein Quatsch! Die öffentlich-rechtlichen Sender bekommen gerade deshalb Jahr für Jahr Milliarden an zwangsweise eingetriebenen Rundfunkgebühren, damit sie frei sind vom Einfluss sinkender Werbeeinnahmen bei niedrigeren Quoten.

Es mag Fälle geben, die eine Sommerpause rechtfertigen – wenn mir auch jetzt keine einfallen. Oliver Welke vielleicht. Der Bursche scheint ja von Natur aus stinkefaul zu sein, produziert er doch mit wer weiß wie vielen Helfern gerade mal ein mickriges Stündchen Sendezeit. Pro Woche! Wenn so einer einen überlangen Sommerurlaub braucht, kann man das ja beinahe noch verstehen, weil es zu ihm passt.

Aber sonst? Ich sehe keinen wirklichen Grund, immer dann, wenn es wärmer wird, für Wochen und Monate die Arbeit einzustellen – mit den oben beschriebenen Folgen für meinen Gemütszustand. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch etliche weitere auf diese Art Geschädigte gibt, die sich im Sommer von morgens früh bis spät in die Nacht über die Flut an gebrauchten Sendungen ärgern. Denn auf allen Kanälen laufen Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen. Der heutige Tatort um viertel nach acht stammt – wen wundert’s? – aus 2008 und bietet also immerhin die Chance, dass ich vergessen habe, wer der Mörder ist. Anders als der Krimi vor ein paar Tagen, der 2016 gedreht wurde und erst vor einigen Monaten lief.

Nun ließe sich ja noch anführen, dass man den Urlaubern nicht zumuten will, den Fortgang der Ereignisse in der Lindenstraße zu versäumen. Nun ja, wer will, kann sich verpasste Folgen ja in der Mediathek ansehen. Oder sie einfach aufzeichnen. Ich zum Beispiel kann meinen Videorekorder zu Hause auch von Singapur aus programmieren, ganz simpel mit dem Smartphone. Und außerdem: Was ist mit den Zuschauern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen usw.? Dort sind die Ferien schon zur Hälfte vorbei, und viele kommen gerade wieder aus dem Urlaub zurück. Nur um festzustellen, dass es erstmal keine aktuellen Sendungen mehr gibt, weil den Erfindern der Sommerpause danach ist.

Was bleibt neben dem ohnmächtigen Zorn über die Missachtung meiner Interessen als Gebühren zahlender Zuschauer, ist die ganz simple Forderung: Weg mit der Sommerpause!

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