Das Arzneimittel-Zulassungs-Begrenzungs-Änderungs-Gesetz

Ministerien holen sich während der Gesetzgebungsverfahren immer wieder „externe Expertise“ ins Haus – weil angeblich unter den tausenden von Mitarbeitern keine sind, die genug von der jeweiligen Materie verstehen.

Diese „Experten“ sind dann nichts anderes als Mitarbeiter genau der Unternehmen, deren Verhalten durch die zu gestaltenden Gesetze geregelt werden soll. Sie beziehen eigene Büros in den Ministerien und dürfen die Texte der sie betreffenden Gesetze oft genug gleich selbst schreiben. Wenn die Redewendung „den Bock zum Gärtner machen“ je eine Bedeutung hatte, dann hier. Einfach unglaublich!

Wie Michel jüngst zu Ohren kam,
will man demnächst probieren,
das Gesetz ganz einfühlsam
ein wenig zu frisieren.

Das Wunsch-Ergebnis steht schon fest:
Rein pekunär soll’s mehr sein.
Gesucht wird nun der neue Text.
Das kann doch nicht so schwer sein.

Wer den geplanten Mehrerlös
für sich verbuchen soll,
steht fest: Er macht dann ganz seriös
bestimmte Taschen voll.

Von vier Millarden jedes Jahr
bekommt die größte Tranche
die, deren Lobby fleißig war:
Die Pillendreherbranche.

Der Rest geht drauf für dies und das;
ein Stichwort heißt: Anschlussverwendung.
Jobs entstehen, das macht Spaß,
mit Garantie bis zur Verrentung.

Zwar wäre das Gesetz entbehrlich,
jedoch zeigt sich ganz plastisch,
wie segensreich und, sei’n wir ehrlich,
wirksam es ist. Phantastich!

Nachdem schon feststeht, dass ganz leicht
die Einnahmen verteilbar sind,
wird im nächsten Schritt erreicht,
wer das bezahlt – trotz Gegenwind.

Die Auswahl fällt, ganz effizient,
auf den, der sich nicht wehrt.
Das ist natürlich der Patient,
Und das ist nie verkehrt.

Das Wichtigste ist nun getan,
der Rahmen festgesteckt.
Zum Schluss kommt jetzt der Inhalt dran
für das Profit-Projekt.

Den Text für neue Paragrafen
gilt es nun aufzuschreiben,
Juristen, klug und ausgeschlafen,
sind schnellstens aufzutreiben.

Zwar haben tausend Staatsbeamte
im Ministerium ihr Büro.
Doch den für diese Textvariante,
den Fachmann gibt es nirgendwo.

Die Expertise sucht man jetzt
von außen einzuholen.
Von Nutzen dabei, nicht zuletzt,
sind passende Parolen.

So kommt es, dass zwar Personal
in Massen schon vorhanden ist,
allerdings jetzt sainsonal
verstärkt wird durch die kleine List.

Ein Arbeitgeberdachverband
entsendet Spezialisten –
ergänzt noch um den Sachverstand
von sechzehn Hausjuristen.

Des weit’ren schicken Zusatzkräfte
tangierte Unternehmen.
Natürlich sollen die Geschäfte
sich fürderhin noch dehnen.

Dann wird im Ministerium
ein Stockwerk freigeräumt.
Das wichtigste Kriterium
bleibt das, wovon die Wirtschaft träumt.

Und weil die Räume so gut passen,
zieh’n sie alle richtig ein,
müssen sie nicht mehr verlassen,
beim nächsten Mal soll’s leichter sein.

Am Ende steht, welch eine Frage,
ein praktikables und nicht zuletzt
für alle gutes, ohne Klage
annehmbares Pillengesetz.

Denn die Tabletten-Fabrikanten
sind nun von Vorschriften befreit,
die sie schon immer lästig fanden.
Es wurde daher höchste Zeit.

Anleitung zum Dichten - Lektion 1
Prosit Neujahr!

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