Nur das Geld regiert die Welt

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn

Kosten-Nutzen-Rechnung für Zuwanderer - Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn - Foto: http://www.cesifo-group.de

Die öffentliche Diskussion könnte in Deutschland zu allen möglichen Themen entbrennen, die nichts oder nicht viel mit Geld zu tun haben. So wäre eine Debatte über die Definition und Weiterentwicklung dessen, was wir unter „Werte“ verstehen, sicherlich hilfreich, ist aber kaum wahrnehmbar. In die Schlagzeilen schaffte es zuletzt gerade mal die Auseinandersetzung um unser Verhältnis zu Flüchtlingen und anderen Zuwanderern, weil viele Menschen sich denen gegenüber benachteiligt sehen und glauben, ihr sauer verdientes Steuergeld würde diesem Personenkreis hinterhergeworfen, während sie selbst im Regen stehen müssen.

Und schon dreht sich alles wieder ums Geld. Statt zu versuchen, die von verantwortungslosen Demagogen unters Volk gebrachten Vorurteile mit schlichten Fakten auszuräumen, begeben sich Politiker, in der Regel Mitglieder einer der nur noch dem Namen nach christlichen „C“-Parteien, in einen Wettbewerb mit den Rattenfängern, die es auf einen ungebildeten, mitunter schlicht dummen, auf jeden Fall aber uninformierten Personenkreis abgesehen haben, und erfinden Slogans wie „Wer betrügt, der fliegt!“ – bewusst die Falschinformation verbreitend, dass von Zuwanderern in hohem Maße Sozialbetrug begangen wird.

Der Volkswirtschaftler Hans-Werner Sinn verstieg sich mit seinem Ifo-Institut zu einer Kosten-Nutzen-Rechnung für Zuwanderer und forderte Restriktionen. Wo eine öffentliche Debatte unter Einbeziehung moralischer und ethischer Gesichtpunkte vonnöten wäre, entbrennt ein menschenverachtender Diskurs um die Kosten der Zuwanderung. Wo ein für allemal zu klären wäre, ob Deutschland sich als Einwanderungsland begreifen sollte, oder auch nicht, beschränkt sich alles auf mathematische Berechnungen zu den finanziellen Folgen für das Gemeinwesen, die ein jeder Flüchtling nach sich zieht, der mit Mühe dem Tod in seiner syrischen Heimat entronnen ist. Wo eine Auseinandersetzung darüber stattfinden sollte, ob Deutschland ein Punkte-System für Einwanderunsgwillige braucht, ob Zuwanderung auf andere Weise zu regeln ist, wo dringend darüber nachgedacht werden müsste, wie man Menschen in großer Not am besten, am schnellsten, am wirkungsvollsten hilft bei ihrem Bemühen, wieder zu einem menschenwürdigen Dasein zu finden, da übernehmen, wie fast immer, die Ökonomen das Kommando und bestimmen den Verlauf und das Ergebnis der Diskussion. Normalerweise werden sie machtvoll unterstützt von diesen unsäglichen Industrie- und Arbeitgeberverbänden, die mit Tausenden von Lobbyisten in Berlin, Brüssel und überall dort, wo Entscheidungen fallen, massiven Einfluss auf unser aller Geschicke nehmen. In diesem Fall sind sie aber für mehr Zuwanderung – der billigen Arbeitskräfte wegen, die sich zur Ausbeutung geradezu aufdrängen. Wenn sie denn nach Jahren überhaupt arbeiten dürfen.

Die Politiker der großen Koalition sollten sich zum Jahreswechsel nicht zum Vorsatz nehmen, mehr Sport zu treiben, mit dem Rauchen aufzuhören oder ihr Gewicht zu reduzieren. Sie sollten sich vielmehr vornehmen, gleich im neuen Jahr damit zu beginnen, den Einfluss der Ökonomen auf das diesen zustehende Maß zu reduzieren, ihren Zeitaufwand für Kontakte zu Lobby-Vertretern auf deren Anteil am Wähleraufkommen zu begrenzen und darüber nachzudenken, was Worte wie „Mitmenschlichkeit“, „Gastfreundschaft“, „Solidarität“, „Hilfsbereitschaft“, „Demokratie“ oder „Empathie“ ihnen heutzutage noch bedeuten. Wer von ihnen zur CDU oder CSU gehört, sollte sich auch Begriffe wie „Nächstenliebe“ ruhig noch einmal verinnerlichen – und erforderlichenfalls dafür eintreten, auf die Bezeichnung „christlich“ zu verzichten und durch „wirtschaftlich“ zu ersetzen. Nach der Umbenennung hätten wir dann die WDU und die WSU. Und ein Stück mehr Ehrlichkeit.

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