Der deutsche Michel


 

Wenn man es ganz genau betrachtet,
kommt man wirklich nicht umhin,
ihn zu loben, ungeachtet
dessen, was mit Hintersinn
lässlich scheint an kleinen Sünden,
weil wir sie nicht wichtig finden.

Nein, er ist bestimmt kein Hoeneß,
zahlt seine Steuern treu und brav,
parkt selten falsch, tut nie was Böses,
hält nicht einmal ’nen Mittagsschlaf,
verwendet selten Pestizide,
verhält sich, kurz gesagt, solide.

Spätestens an dieser Stelle
weiß man, wer beschrieben ist:
Denn immer, wenn nicht Einzelfälle
gefragt sind, kommt dieselbe List
zum Einsatz, und das Mittelmaß
heißt jetzt Michel, welch ein Spaß.

Worum sich niemand wirklich kümmert,
ist Michels elendige Pein.
Darum sei jetzt daran erinnert,
was jenseits allem schönen Schein
der Michel auszuhalten hat,
verursacht vom Machtapparat.

Der deutsche Michel wird belogen,
wo immer er auch geht und steht.
Er wird genauso oft betrogen.
Ob ein Hauch Dummheit ihn umweht?
Denn wen er auch bei Wahlen wählte:
Kein Wahlversprechen nachher zählte.

Das jüngste Beispiel: Straßenmaut.
Sie sollte Michel ja nichts kosten.
Doch langsam kriegt er Gänsehaut.
Der Mann auf dem Ministerposten
behauptet das auch weiterhin.
Nur: Im Gestz steht’s anders drin.

Ein Minister muss wahrscheinlich
auch dafür geschaffen sein.
Das bedingt, oh Gott, wie peinlich,
vom Thema und auch allgemein
von gar nichts etwas zu verstehen.
Beim Dobrindt scheint das gut zu gehen.

Nach diesem Muster wird bei uns
Regierungsbildung praktiziert.
Minister sein kann Hinz und Kunz,
von Michel üppig finanziert.
Charakterschwach und ahnungslos
regieren sie in Loft-Büros.
Und kriminelle Energie,
als Sahnehäubchen, schadet nie.

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