Heute schon gewulfft?

Viersen (OPEN REPORT-kpl). Nun ist es also schon so weit, dass die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff (CDU) sogar auf den Sprachgebrauch der Deutschen einwirkt: Das „Wulffen“ wird zum Synonym für das kostenlose Abgreifen von Vorteilen jedweder Art.

Während dessen scheint ein Ende der unsäglichen Story um den Anflug von Vorteilsnahme, Korruption und Schnorrerei im Zusammenhang mit dem Bundespräsidenten in immer weitere Ferne zu rücken. Gestern geriet sein im Dezember hastig gefeuerter, langjähriger Pressesprecher, Berater und Begleiter Olaf Glaeseker, von Wulff selbst auch schon mal als „Fraktotum“ bezeichnet, ins öffentliche Zwielicht, als Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamtes dessen Privathaus durchsuchten. Die Strafverfolger sehen den Verdacht, dass Glaeseker in den Jahren 2007 bis 2009 die Durchführung und Finanzierung des von Schmidt organisierten Nord-Süd-Dialogs „gefällig gefördert“ habe, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Sie durchsuchten außerdem Wohn- und Geschäftsräume des Eventmanagers Manfred Schmidt in Berlin und der Schweiz.

Es geht um Bestechlichkeit und Bestechung. Denn als Gegenleistung soll Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Ferienhäusern von Schmidt gemacht haben.

Christian Wulff ist durch diese Vorgänge nicht direkt betroffen. Noch nicht jedenfalls. Allerdings erscheint nun die eilig erfolgte Entlassung des Pressesprechers in einem anderen Licht: Befürchtete Wulff das, was jetzt geschah, trennte er sich von Glaeseker, um sich noch rechtzeitig aus dessen Dunstkreis zu entfernen?

Egal. Dieser Bundespräsident ist dauerhaft beschädigt, als moralische Instanz demontiert. Und das hat er ganz allein selbst besorgt, ganz gleich, welche Tricks und Methoden seitens mancher Medienvertreter auch angewandt wurden, um durch die Story Auflage zu machen. Je länger er den längst fälligen Rücktritt verzögert, desto schlimmer wird es.

Seine vergleichsweise kurze Amtszeit wird, wenn es noch ein wenig so weiter geht, dauerhaft in Erinnerung bleiben. Im Schlussverkauf wird dann nicht mehr günstig eingekauft, sondern gewulfft, ebenso wie das Firmenpräsent zu Weihnachten. Manch einer wird sich einen Last-Minute-Urlaub wulffen. Und unseren Kindern werden wir erklären müssen, warum man das mit zwei „F“ schreibt.

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