Vom frühen Vogelzwitschern

«Rheinische Post» sucht dringend Zeitungszusteller

Viersen (OPEN REPORT-kpl). Die «Rheinische Post» sucht Zeitungszusteller. Und das offenbar dringend. Denn in der heutigen Ausgabe befasst sie sich ausgiebig mit den schönen Seiten des Botenjobs.

Eine 46-jährige Zahnarzthelferin schwärmt in dem Beitrag vom „Rauschen der Bäume“ frühmorgens um fünf und davon, dass sie ihren „Gedanken nachgehen kann“ und ihr „… die Zeit ganz alleine gehört.“ Ein ehemaliger Polizist, der seit dem Tod seiner Frau die beiden Kinder allein großziehen muss und deshalb seinen Beruf aufgab, trägt ebenfalls die «Rheinische Post» aus. Er hat gleich zwei Bezirke übernommen und arbeitet außerdem noch als Behindertenbusfahrer: „Da ich immer nur zeitweise das Haus verlassen muss, kann ich meine Söhne sehen, sie versorgen, mit ihnen essen.“, beschreibt er die Vorzüge seiner Situation.

Beide sind, so ist zu lesen, „Zeitungsboten aus Leidenschaft“ und behaupten, dass „man den Job gut mit dem Familienleben vereinbaren“ könne. Sie genießen, schreibt die «Rheinische Post», „… das nächtliche Arbeiten und das frühe Zwitschern der Vögel.“

Also, mal ganz im Ernst: Ich kenne keinen Zeitungsausträger, der Spaß daran hat, nachts um viertel vor eins aufzustehen, weil er gleich zwei Bezirke versorgen muss – Vogelzwitschern hin oder her. Und weil er nur in Etappen schlafen kann, bevor er wegen Übermüdung den ganzen Sonntag verpennt. Der zudem gleich mehrere Jobs annehmen muss, um irgendwie über die Runden zu kommen. Da kann das Blatt vom Niederrhein das Zeitungsboten-Dasein verklären, wie es will.

Die Zeitungsboten, denen ich bisher begegnet bin, brauchten einfach das Geld. Bei einem mit Mitte dreißig aus dem Dienst geschiedenen Ex-Polizisten und einer Zahnarzthelferin darf man, glaube ich, getrost davon ausgehen, dass ihr reguläres Einkommen nicht gerade üppig ausfällt und sie zu Frühaufstehern wurden, weil sie es vielleicht mussten. Dass man als Zeitungszusteller auf die Schnelle besonders reich wird, ist auch nicht überliefert. Viel eher darf man wohl vermuten, dass die meisten Zeitungsboten aus finanziellen Gründen dafür sorgen, dass ich morgens zum Kaffee die Tageszeitung lesen kann.

Dafür sei ihnen an dieser Stelle einmal herzlich gedankt. Und der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass sie nicht weiter von der «Rheinischen Post» für solche Heile-Welt-Mätzchen benutzt werden.

 

Dieser Artikel ist auch zu lesen bei 24PR.de

 

«SoWhat» spielten im Viersener «GAMBRINUS»
Wie Poschmann vor dem Stimmbruch

Kommentar verfassen

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial

Gefällt es Ihnen hier im Blog? Bitte, sagen Sie es weiter :)