Chaos um Biosprit E10 – kein umweltpolitisches Konzept

Bundesregierung zeigt sich resistent gegen Erfahrungen – Tempolimnit offenbar kein Thema

Viersen (OPEN REPORT-kpl). Wenn es um ihr liebstes Kind geht, machen Deutschlands Autofahrer keine Experimente. Weil weder Hersteller noch Mineralölwirtschaft und schon gar nicht die Bundesregierung die notwendige Mühe auf Information und Aufklärung verwendeten, ließen die Fahrzeughalter die Finger vom Biosprit E10. Denn kaum einer weiß, ob die Benzinvariante schädlich ist für sein Fahrzeug oder nicht.

Und so blieben die Tankstellen auf ihrem Biosprit sitzen, und die Mineralölwirtschaft zog die Reißleine, stoppte die Markteinführung. Ob überhaupt Bio drin ist, ist heftig umstritten. Denn die Klimabilanz bei der Herstellung des zu zehn Prozent beigemischten Ethanols halten einige Fachleute für negativ, andere widersprechen dem.

So streitig sein Wert, so stümperhaft seine Einführung. Eine umfassende Verbraucherinformation über den neuen Kraftstoff gab es nicht. Ein Grund könnte sein, dass die Fahrzeughersteller sich scheuen, verbindliche Aussagen zur Verträglichkeit von Bioethanol-Kraftstoff vor allem für ältere Fahrzeuge zu machen, um nicht in Haftung genommen zu werden, wenn es zu Schäden kommt.

Ein weiterer ist die mangelhafte Lernfähigkeit der Bundesregierung, die ihre Lehren hätte ziehen müssen aus dem bereits 2008 gescheiterten Versuch, den Ethanol-Anteil im Sprit auf zehn Prozent zu erhöhen. Damals blieb der Regierung nach widersprüchlichen Aussagen von Politik, Automobilherstellern und dem Verband der Automobilindustrie zur Verträglichkeit nichts andres übrig, als die geplante Verordnung zur Einführung von E10 auszusetzen. Dieser einschlägigen Erfahrung ungeachtet, scheint sich nun alles zu wiederholen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hält nach wie vor an E10 fest, ist aktuell zu lesen (spiegel.de). Alternative Möglichkeiten zur Erreichung der Umweltziele spielen aber offenbar derzeit keine Rolle. Von Überlegungen zur Einführung eines Tempolimits beispielsweise, mit dem ein besonders wirkungsvoller Beitrag geleistet werden könnte, hört man momentan jedenfalls nichts. Und so bleibt Deutschland eine Oase für Tempo-Freaks. Und für umweltpolitische Konzeptlosigkeit.

Dieser Artikel ist auch zu lesen bei 24PR.de

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