Mein Kommentar: Noch mal davongekommen – Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo

Viersen (OPEN REPORT-kpl). Nicht immer sind die Entscheidungen des Nobelkomitees wirklich weise, wie sich bei der Verleihung des Friedesnobelpreises an Barack Obama zeigte.

«Die werden doch wohl nicht …» – wieder einmal geisterte für kurze Zeit die Vermutung durch den Blätterwald, dass Altkanzler Helmut Kohl (CDU) der nächste Träger des Friedensnobelpreises werden könnte. Eine Vorstellung, die nicht nur begeisterte Zustimmung hervorrief.

Neuer Presträger wurde aber Liu Xiaobo. Er erhält den Friedensnobelpreis für „seinen langen und gewaltlosen Kampf für grundlegende Menschenrechte in China“. Liu Xiaobo sitzt derzeit in chinesicher Haft, weil er sich für politische Reformen in China einsetzt, und schon deshalb erscheint die Konkurrenz zwischen ihm und Altkanzler Kohl absurd. Nicht nur dessen persönlicher Anteil am Zustandekommen der Wiedervereinigung Deutschlands vor zwanzig Jahren ist nach wie vor umstritten. Auch ist Kohl bis heute die Namen der Spender schuldig geblieben, die seine Partei Ende der 90er Jahre in siebenstelliger Höhe unterstützten. Das verstößt schlicht gegen geltendes Recht. Und eine Entscheidung zu Gunsten Kohls hätte Unbehagen bis zur Empörung zumindest bei denen ausgelöst, die ihn vor allem als Rechtsbrecher sehen.

Die heutige Entscheidung ist vor allem auch eine Stärkung der Menschenrechtsaktivisten in China, die in ständiger Gefahr für Leib und Leben schweben. Gut, dass sich das Nobelkomitee von den chinesischen Drohgebärden gegenüber Norwegen nicht hat beeinflussen lassen. Gut, dass uns in Deutschland eine erneute Diskussionsrunde um die vielfach bezweifelte charakterliche Eigung des inzwischen greisen Altkanzlers erspart bleibt. Gut, dass den Nobelpreis jemand erhält, der ihn wirklich verdient.

Erschienen bei 24PR am 08.10.2010

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